Zwischen erdrückender Schwere, tiefer Freundschaft und der erstaunlichen Kraft menschlicher Verbindung.
Interview | Lucy_unleashed für x-Act Music Magazine
Manche Konzerte bleiben unvergesslich. Wegen der Musik, der Atmosphäre oder der Menschen. Und manchmal auch wegen eines ausgesprochen unglücklich gewählten Stehplatzes.
Am 10. Oktober 2026 spielten die britischen Post-Metaller Dimscûa beim Soulcrusher Festival in Nijmegen ihr erstes Konzert auf dem europäischen Festland. Die zweite Bühne war brechend voll, die Musik intensiv, das Publikum begeistert.
Und ich? Ich stand mittendrin, ausgerechnet an einem Platz, an dem sich ein hartnäckiger intestinaler Gasgeruch breitmachte, der selbst die düstersten Klanglandschaften dieser fünf Engländer beinahe in den Schatten stellte. Fluchtmöglichkeiten? Praktisch ausgeschlossen. Schließlich wollte ich Dimscûa unbedingt sehen.
Glücklicherweise war die Musik jede olfaktorische Herausforderung wert.
Hinter den monumentalen Klangwänden von Dimscûa verbergen sich fünf langjährige Freunde, deren Musik tief in persönlichen Erfahrungen mit Verlust, Trauer und Schmerz verwurzelt ist. Ihr Album Dust Eater hat längst Menschen erreicht, die in diesen Kompositionen etwas von ihrer eigenen Geschichte wiederfinden.
Ich durfte mit der Band über ihre Anfänge, ihre Freundschaft, ihren unerwarteten Erfolg und die erstaunliche Erfahrung sprechen, wenn das, was ursprünglich aus dem eigenen Schmerz entstanden ist, plötzlich von vollkommen Fremden beantwortet wird. Und natürlich mussten wir auch noch über meinen Stehplatz sprechen.
DIMSCÛA – Steckbrief
Herkunft: Berkshire, England – Raum Windsor und Maidenhead
Genre: Post-Metal / Doom / Atmospheric Sludge
Besetzung: Alex (Gesang), Adam (Gitarre), Sam (Gitarre), Benio (Bass), Lewis (Schlagzeug)
Album: Dust Eater
Single: Sangre (September 2026)
Namensbedeutung: Altenglisch (Angelsächsisch) für Dunkelheit oder Schatten und Sünde
Festivalauftritte: Damnation Festival 2025, Soulcrusher Festival 2026

Zeit, Dimscûa kennenzulernen
x-Act / Lucy: „Lassen wir die Dunkelheit, Verzerrung und emotionale Verwüstung für einen Moment hinter uns und betreten etwas, das möglicherweise noch viel erschreckender ist: den Alltag. Was macht ihr fünf eigentlich, wenn ihr gerade kein klangliches Chaos erschafft? Habt ihr ganz normale Berufe, und wenn ja, welche?“
Sam: „Danke, dass wir dabei sein dürfen, Lucy. Ja, natürlich haben wir ganz normale, langweilige Jobs, um die Rechnungen bezahlen zu können. Ich selbst (Sam, Gitarre) arbeite in der IT, Lewis (Schlagzeug) arbeitet als Quantity Surveyor im Bereich Baukosten-und Mengenmanagement, Alex (Gesang) besitzt seine eigene Brauerei und ist dort leitender Brauer (was für uns als Band extrem praktisch ist, denn er lässt uns einen Teil des Platzes für unser Equipment nutzen, und wir proben oft dort), Benio (Bass) ist Personal Trainer und Adam (Gitarre) arbeitet im Marketing für Medizinprodukte. Wir haben also wirklich eine ziemlich große Bandbreite an Berufen innerhalb der Band!“
DAS INTERVIEW
x-Act / Lucy: „Sam, bevor wir in die Dunkelheit eintauchen, muss ich fragen: Nachdem du jetzt weißt, was ich durchgemacht habe, um eure Band zu sehen – qualifiziere ich mich offiziell als euer treuester Fan, oder sollten wir mich einfach als Überlebende der Soulcrusher-Gaskammer bezeichnen?“
Sam: „Du hattest wirklich großes Pech mit dem Platz, an dem du gestanden bist. Vielen Dank, dass du den Geruch ausgehalten hast! Ich bin einfach froh, dass er uns oben auf der Bühne nie erreicht hat, haha! Das hat definitiv einiges an Hingabe erfordert, und wir wissen das wirklich sehr zu schätzen. Ich hoffe, es hat sich gelohnt!“
x-Act / Lucy: „Beginnen wir mit den Menschen hinter dem Lärm. Für jemanden, der Dimscûa zum allerersten Mal entdeckt: Wer seid ihr, woher kommt ihr und wie sind diese fünf Individuen schließlich dazu gekommen, gemeinsam Musik zu machen? Und bitte stellt alle vor – einschließlich der Person, die auf Tour am wahrscheinlichsten absolutes Chaos verursachen wird.“
Sam: „Wir sind eine fünfköpfige Post-Metal-/Doom-Band (oder wie auch immer man es nennen möchte) aus Berkshire, England Genauer gesagt sind wir alle in der Gegend um Windsor und Maidenhead aufgewachsen. Vier von uns in der Band sind enge Freunde, seit wir uns mit 14 Jahren in der Schule kennengelernt haben. Adam und Alex kennen sich sogar schon viel länger. Wir waren in der Schule durch unsere gemeinsame Zugehörigkeit zu der Gruppe verbunden, die Metal und Ähnliches mochte, und seit wir 14 waren, haben wir immer in irgendeiner Form zusammen Musik gemacht. Wir waren gemeinsam in verschiedenen (schrecklichen) Bands und haben immer zusammen Musik geschrieben. Früher haben wir lokale Konzerte gespielt, und genau so haben wir tatsächlich Benio kennengelernt. Als Teenager haben wir alle bei denselben Konzerten gespielt und wurden gute Freunde. Was unsere Vorstellung angeht, haben wir zunächst Alex, unseren Sänger. Er ist das Mitglied, das wahrscheinlich am wenigsten Erfahrung damit hat, Konzerte zu spielen und auf Tour zu gehen. Er wird außerdem der Erste sein, der an der Bar steht. Dann haben wir Adam (Gitarre). Adam ist großartig darin, dafür zu sorgen, dass bei uns hinter den Kulissen alles in Ordnung ist, sei es bei unserem Livesound oder bei der Planung von Merchandise-Bestellungen und Ähnlichem. Benio ist Adam in dieser Hinsicht ähnlich und sorgt ebenfalls dafür, dass bei uns alles organisiert ist. Benio ist mit früheren Bands viel durch Großbritannien und Europa getourt und kann uns deshalb sehr gut dabei anleiten, was wir tun müssen. Er ist so etwas wie der Band-Papa. Lewis ist unser Schlagzeuger und der Ruhige und Gelassene. Er ist extrem entspannt und eine gute Stimme der Vernunft. Und ich selbst … (Es ist schwer, über sich selbst zu schreiben! Haha.) Ich würde sagen, ich bin wahrscheinlich derjenige, der mit allen redet, sei es hinter den Kulissen (Veranstalter, Crew, andere Bands) oder mit allen am Merchstand. Ich unterhalte mich gerne mit jedem und sorge auch gerne für ein bisschen Chaos, aber was die geschäftliche Seite angeht, bin ich schrecklich!“
x-Act / Lucy: „Dimscûa. Schon der Name klingt wie etwas, das aus einer vergessenen Sprache oder einer besonders dunklen Ecke der Fantasie eines Menschen auftaucht. Woher kommt er, was bedeutet er und warum fühlte er sich für die Band richtig an?“
Sam: „Dimscûa ist ein altenglisches (angelsächsisches) Wort, das Dunkelheit oder Schatten und Sünde bedeutet. Es war ein Name, den Lewis gefunden hat, als er ein angelsächsisches Wörterbuch durchforstete. Die Bedeutung passt zu unserer Musik und unserer Atmosphäre, und es ist außerdem ein Wort, das auffällt und ziemlich einzigartig ist. Wir wollten versuchen, uns von einem stereotypischen „Metal“-Bandnamen zu entfernen.“
x-Act / Lucy: „Der 10. Oktober war euer erster Auftritt auf dem europäischen Festland. Und was für ein Empfang – eine komplett volle zweite Bühne beim Soulcrusher! Was ging euch durch den Kopf, als ihr erkannt habt, wie viele Menschen gekommen waren, um euch zu sehen? Habt ihr auch nur annähernd damit gerechnet?“
Sam: „Ehrlich gesagt wussten wir nicht wirklich, was wir erwarten sollten. Es hatten sich schon viele Leute bei uns gemeldet und gefragt, ob wir nach Europa kommen könnten, aber da Soulcrusher ein zweitägiges Festival ist, waren wir uns nicht sicher, wie viele Menschen tatsächlich kommen würden, um uns zu sehen. Wir waren von der Reaktion und dem herzlichen Empfang vollkommen überwältigt. Es war vielleicht unser Lieblingskonzert von allen, die wir je gespielt haben, und es fühlte sich in diesem Raum so besonders an. Ehrlich gesagt waren wir sprachlos.“
x-Act / Lucy: „Eure Musik wird oft als Atmospheric Sludge oder Post-Metal beschrieben. Aber ich habe ein Problem mit Genres: Sie sagen mir, wie etwas klingt, aber selten, wie es sich anfühlt. Vergessen wir also für einen Moment die Schubladen. Wenn Dimscûa ein Gefühl, eine Landschaft oder sogar ein wiederkehrender Albtraum wäre – was wäre es?“
Sam: „Dimscûa ist in Trauer und Schmerz verwurzelt. Wir alle haben einzeln traumatische und dunkle Zeiten durchlebt, und wir haben Dimscûa gegründet, um zusammenzukommen und diesen Gefühlen und Empfindungen Ausdruck zu verleihen. Ich habe das Gefühl, dass wir versuchen, Musik für die Zuhörer zu machen, in dem Sinne, dass das Hören eine ziemlich einsame Erfahrung sein kann. Es ist wahrscheinlich nicht die Art von Musik, die man auf einer Party oder in Gesellschaft anderer Menschen auflegen würde. Aber wir hoffen auch, dass die Menschen in unserer Musik Trost finden und sich mit unserer Musik und unseren Texten identifizieren können.
x-Act / Lucy: „Dust Eater ist nicht gerade Musik, die man auflegt, während man an einem Sonntagmorgen fröhlich Pancakes macht. Da sind Trauer, Verletzlichkeit, Spannung und etwas zutiefst Menschliches unter all dieser Schwere. Als ihr dieses Album erschaffen habt, wolltet ihr der Welt etwas mitteilen – oder einfach selbst etwas überleben?“
Sam: „Ja, genau. Wie gerade schon erwähnt, ist es wahrscheinlich eher etwas, das jemand alleine hört und das ihm durch schwierige Zeiten helfen kann. Wie man hören kann, haben wir während des Schreibens und Aufnehmens von Dust Eater viele dunkle und herausfordernde Zeiten durchgemacht.“
x-Act / Lucy: „Ich habe über einige der zutiefst persönlichen Erfahrungen hinter euren Songs gelesen, insbesondere über On Being and Nothingness. Ich möchte den Schmerz eines Menschen nicht auf eine Interviewfrage reduzieren. Aber ich würde gerne etwas über die Musik selbst fragen: Wenn etwas so Intimes zu einem Song wird und fremde Menschen beginnen, eine Verbindung dazu aufzubauen, verändert das eure Beziehung zu dem, was ihr erschaffen habt?“
Adam: „Es verändert diese Beziehung vollkommen. Ich hätte nie erwartet, dass diese Songs von so vielen Menschen gehört werden, und ich glaube nicht, dass ich wirklich darauf vorbereitet war. Ich habe nach der Fertigstellung des Albums über ein Jahr gebraucht, um es überhaupt wieder anhören zu können, geschweige denn daran zu denken, die Songs live zu spielen. Ich musste versuchen, an meiner inneren Widerstandskraft zu arbeiten, um während eines Auftritts „im Moment“ sein zu können, ohne mich von den Emotionen völlig überwältigen zu lassen. Es ist eine schwierige Gratwanderung, und es gelingt mir nicht immer, sie perfekt zu meistern. Als wir diese Songs schrieben, wusste niemand, wer wir waren, und auf eine gewisse Weise macht es das leichter, verletzlich zu sein. Es ist, als würde man ins Nichts schreien: Man drückt diese sehr dunklen und traurigen Gefühle aus und lässt sie los. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass das Nichts zurückschreien würde. Menschen haben mich angehalten und mir unglaublich persönliche Erfahrungen aus ihrem eigenen Leben erzählt und gesagt, dass sie in der Musik eine gewisse Katharsis gefunden haben. Das kann in diesem Moment ziemlich herausfordernd sein, aber es ist eine große Ehre, wenn sich ein fremder Mensch einem auf diese Weise so vollkommen öffnet. Letztendlich geht es bei Kunst um diese menschliche Verbindung, und es ist eine große Ehre, daran beteiligt gewesen zu sein, etwas zu erschaffen, das Menschen so tief berührt hat. (P.S.: Danke, dass du deine Frage so verständnisvoll formuliert hast.)
x-Act / Lucy: „Die Beziehung zwischen Stille und Schwere in eurer Musik finde ich faszinierend. Manchmal wirken die ruhigen Momente beinahe bedrohlicher als die Explosionen, die darauf folgen. Ist dieser Kontrast sorgfältig konstruiert oder entsteht er ganz natürlich, wenn ihr fünf gemeinsam schreibt?“
Sam: „Das ist definitiv etwas, worauf wir achten, und etwas, das wir alle an der Musik lieben, die wir selbst hören. Dieser Kontrast ist uns wichtig, denn wie du schon sagst, können die leisesten Songs manchmal genauso wirkungsvoll sein wie die lautesten. Wir alle lieben außerdem Post-Rock und lassen uns auch davon beeinflussen, wie eindrucksvoll ein ruhiges Instrumentalstück sein kann.“
x-Act / Lucy: „Ihr habt Sangre im September 2026 veröffentlicht. Schon der Titel fühlt sich unmittelbar und körperlich an – Blut, Leben, Wunden, welche Assoziationen er auch immer hervorrufen mag. Welche Geschichte steckt hinter diesem Song, und gibt er einen Einblick, wohin sich Dimscûa als Nächstes entwickeln werden?“
Dimscûa: „Sangre handelt von der Hilflosigkeit, mit ansehen zu müssen, wie jemand, den man liebt, leidet, und von der Hilflosigkeit, dessen Schmerz nicht als eigenen übernehmen zu können. Benio kam mit einem Thema und einem Text zu Alex. Beide hatten zu der Zeit, als der Song geschrieben wurde, erkrankte Familienmitglieder. Dieser Song ist ihnen gewidmet.“
x-Act / Lucy: „Es gibt eine besondere Art von Ehrlichkeit in der Musik, die Menschen unangenehm berührt – nicht, weil sie aggressiv ist, sondern weil sie etwas berührt, das sie lieber verborgen halten würden. Gab es jemals einen Moment auf der Bühne, in dem ihr euch beinahe zu sehr entblößt gefühlt habt? Einen Moment, in dem die Musik aufhörte, eine Performance zu sein, und zu etwas schmerzhaft Realem wurde?“
Sam: „Auf jeden Fall. Ich denke, das kann davon abhängen, in welcher mentalen Verfassung wir uns zu diesem Zeitpunkt gerade befinden. Aber ja, manchmal kann es beim Livespielen bestimmter Songs kathartisch sein und gleichzeitig einige dieser Gefühle wieder aufwühlen. Ich glaube, ein paar von uns waren während eines Auftritts schon kurz davor, in Tränen auszubrechen.“
x-Act / Lucy: „Eure Entwicklung von der Veröffentlichung von Dust Eater bis zu Auftritten auf großen Festivals scheint sich unglaublich schnell beschleunigt zu haben. Ab welchem Zeitpunkt habt ihr erkannt, dass das nicht mehr nur fünf Menschen sind, die gemeinsam Musik machen, sondern etwas, das tatsächlich begonnen hat, fremde Menschen zu erreichen? Und hat dieser Erfolg irgendetwas zwischen euch verändert?“
Sam: „Ja, wir hätten ehrlich gesagt niemals gedacht, dass mehr als vielleicht zehn unserer Freunde Dust Eater hören würden. Wir haben es in erster Linie für uns selbst gemacht und veröffentlicht. Der riesige Wendepunkt für uns als Band war, als Gavin Molnally (Direktor und Booker des Damnation Festivals und Moderator des Podcasts 2 Promoter, 1 Pod) Dust Eater hörte, seine Plattform nutzte, um auf uns aufmerksam zu machen, und uns schließlich für das Damnation Festival 2025 buchte. Ohne seine Freundlichkeit wären wir, glaube ich, nicht in dieser Position. Deshalb sind wir Gav unglaublich dankbar und werden es für immer sein. (Ebenso Gary D und Andy C, die Gav auf uns aufmerksam gemacht haben.) An dem Tag, als Gav uns im 2PIP-Podcast erwahnte, explodierten unsere Handys förmlich, und unser Leben veränderte sich. Es überwältigt uns weiterhin, dass so viele Menschen unsere Musik gehört haben und eine Verbindung zu ihr finden. Das ist etwas, dass wir niemals als selbstverständlich betrachten. Was deine zweite Frage betrifft: Unser Leben ist viel geschäftig geworden (im absolut besten Sinne).Wir mussten sehr schnell zu einer „ernsthaften“ Band werden, und wir sehen uns inzwischen alle viel häufiger als früher, haha.“
x-Act / Lucy: „Hier kommt eine etwas grausame Frage. Stellt euch vor, ich nehme euch eure Gitarren, Schlagzeuge, Verstärker und jede Möglichkeit, Lärm zu machen. Ihr bleibt nur zu fünft in einem Raum zurück.Was würde Dimscûa trotzdem noch zu Dimscûa machen?“
Sam: „Das ist eine schwierige Frage. Wahrscheinlich wären wir einfach dieselben fünf Freunde, die zusammen Zeit verbringen, sich austauschen, gemeinsam Konzerte besuchen und füreinander da sind, um einander durch einige der dunkelsten Zeiten zu helfen.“
x-Act / Lucy: „Werden wir persönlich, aber auf eine andere Weise Welches Mitglied von Dimscûa ist das emotionale Herz der Band, wer ist die Stimme der Vernunft, wer ist die wandelnde Katastrophe – und wem würdet ihr auf gar keinen Fall die Schlüssel zum Tourbus anvertrauen?“
Lewis: „Ich denke, das wechselt sich immer wieder ab. Wir alle übernehmen abwechselnd die guten und die schlechten Rollen, denn wir sind schließlich nur Menschen. Außerdem haben wir alle viel in unserem eigenen Leben zu tun Deshalb ist es ganz natürlich, dass wir von Zeit zu Zeit unterschiedliche Rollen einnehmen müssen, damit alles weiterläuft. Allerdings würde ich sagen, dass die emotionale Last etwas ist, das wir alle miteinander teilen. In gewisser Weise stehen wir also alle im Mittelpunkt davon. Wir alle bilden einen Teil des Herzens. Aber abgesehen davon würde ich Alex die Schlüssel zum Tourbus nicht anvertrauen!“
x-Act / Lucy: „Ich glaube, dass Musik eine Verbindung zwischen Menschen schaffen kann, die absolut nichts voneinander wissen. Manchmal reichen schon zwölf Sekunden eines Songs, um sich verstanden zu fühlen. Habt ihr selbst schon einmal so etwas erlebt – mit der Musik eines anderen Künstlers? Einen Moment, in dem es sich angefühlt hat, als hätte jemand direkt in euren Kopf gegriffen?“
Sam: „Ja, auf jeden Fall. Ich persönlich erinnere mich daran, wie ich Alcest zum ersten Mal gehört habe, und es hat sofort bei mir Klick gemacht. Diese Dynamik, bei der etwas so Melodisches und Leichtes mit Black-Metal-Elementen kombiniert wird, hat mich sofort angesprochen. Sie wurden sehr schnell meine Lieblingsband. Genauer gesagt war es, als ich zum ersten Mal Kodama und danach Écailles de lune, Pt. 2 hörte. Ein weiterer großer Einfluss für die gesamte Band ist Caspian. Das Album Dust & Disquiet zu hören, hat uns alle tief berührt. Zu hören, dass wunderschöner Post-Rock gleichzeitig auch erdrückend schwer und voller Riffs sein kann.“
Lewis: „Für mich war etwas, das mich beim ersten Hören wirklich gepackt hat, das erste Album von Triptykon. Ich habe das auch schon in anderen Interviews angesprochen, aber als ich vor all diesen Jahren Abyss Within My Soul hörte, hat mich das wirklich umgehauen. Ich konnte kaum glauben, wie düster und schwer es klang, und ich schreibe ihnen einen enormen Einfluss darauf zu, dass sie mir die Augen für die Welt von Sludge, Doom und schließlich Post-Metal geöffnet haben.“
X-Act / Lucy: „Noch einmal zurück zu Soulcrusher. Ihr habt zwischen King Woman und Sylvaine gespielt – zwei sehr unterschiedlichen künstlerischen Welten. Hattet ihr die Gelegenheit, an diesem Tag noch andere Auftritte zu erleben? Und woran werdet ihr euch von eurem ersten Abenteuer auf dem europäischen Festland am meisten erinnern – abgesehen vom begeisterten Publikum und meinem ziemlich traumatischen Geruchsbericht?“
Sam: „Soulcrusher war unglaublich. Wir sind einen Tag früher angereist, nur um uns ein paar Bands anzusehen. Die erste Band, die wir gesehen haben, war Misbyrming, die uns alle umgehauen haben, und danach Nails, die ebenfalls großartig waren. Ich persönlich habe mich am meisten auf Sylvaine gefreut. Ich bin seit Jahren Fan der Band und hatte vorher noch nie die Gelegenheit, sie live zu sehen. Ehrlich gesagt war ich ziemlich enttäuscht, als ich gesehen habe, dass sie direkt nach uns spielen würden. Also habe ich nach unserem Set sehr schnell meine Gitarre hinter die Bühne geworfen und bin losgesprintet, um sie zu sehen. Sie waren absolut unglaublich, und ich hatte das große Glück, Max, Flo und Kathrine backstage kennenzulernen und ein bisschen Zeit mit ihnen zu verbringen. Unser Merchstand stand außerdem direkt neben ihrem, sodass ich mich einige Stunden mit Kathrine unterhalten konnte, während wir beide Merchandise verkauften, was fantastisch war. Eine hervorragende Band und absolut liebenswerte Menschen – ja, das war für mich persönlich wirklich sehr, sehr cool. Abgesehen davon werden wir Soulcrusher niemals vergessen. Die gesamte Crew hinter den Kulissen hat sich wirklich gut um uns gekümmert, und alle waren unglaublich freundlich, genauso wie jeder, mit dem wir am Merchstand gesprochen haben. Wir waren von der Reaktion aller einfach vollkommen überwältigt. Es ist ein Festival, das immer einen besonderen Platz in unseren Herzen haben wird, und wir hoffen, eines Tages zurückzukehren. Wir werden niemals das Gefühl vergessen, als wir unseren letzten Ton gespielt haben und einen Raum voller Menschen vor uns sahen.
x-Act / Lucy: „Eine letzte Frage – und vielleicht die wichtigste. Stellt euch vor, vor eurer Bühne steht ein Mensch, der etwas Schweres in sich trägt. Etwas, worüber er nicht spricht. Etwas, das niemand sonst sehen kann. Dieser Mensch hört Dimscûa zum allerersten Mal. Wenn er nach eurem letzten Ton weggeht – was würdet ihr euch wünschen, dass er mitnimmt?“
Sam: „Wir hoffen, dass dieser Mensch durch unseren Liveauftritt irgendeine Form von Trost gefunden hat. Hoffentlich konnte er sich in der Musik verlieren, eine Verbindung zu ihr aufbauen und sich von ihr tief im Inneren berühren lassen, sich darin wiederfinden und seine Gefühle herauslassen. Wir alle hoffen aufrichtig, dass die Menschen etwas daraus mitnehmen konnten. Ich habe während unseres Sets ein paar Menschen im Publikum gesehen, die einige Tränen vergossen haben. Und ich hoffe, dass sie Trost darin gefunden haben, diese Gefühle herauszulassen und zu wissen, dass sie mit dem, was sie gerade durchmachen, nicht allein sind.“
x-Act / Lucy: „Vielen Dank, Sam, und vielen Dank an alle bei Dimscûa, dass ihr euch die Zeit genommen habt, meine Fragen zu beantworten. Ich bin wirklich froh, dass ich mich durch diesen Raum in Nijmegen gekämpft habe. Manche Konzerte machen einen sprachlos. Manche rauben einem den Atem. Eures hat beides geschafft – aus völlig unterschiedlichen Gründen. Bis zum nächsten Mal. Hoffentlich auf der Main Stage. Und vorzugsweise mit frischer Luft.“
Sam: „Vielen Dank, dass wir dabei sein durften, und für die großartigen Fragen! Hoffentlich sehen wir uns bald wieder in Europa!“

Lucy_unleashed | x-Act Music Magazine



