OXYMORON – alles über ihr aktuelles Album „26486“ und mehr im Interview

(OXYMORON, Bandfoto - Credit by Artist, zur Verfügung gestellt von Christoph Wolf)

OXYMORON – Progressive Rock made in Austria. Die Band besteht aus Christoph Wolf (Electric- und accoustic guitars, Hammond Organ, Piano, Synthesizer, Vocals), Mario Puncec (Bass guitar, Vocals), Bianca Altreiter (Vocals, flute) und Reinhard Fitzinger (Moog Synthesizer, Hammond Organ, Sound Effects) und hat mit „Odyssey“ (2021), „Monopoly“ (2022) und „26486“ bereits drei Alben veröffentlicht. Kürzlich hatten wir die Gelegenheit uns mit Christoph Wolf und Mario Puncec zu unterhalten:

x-act: „Ihr habt heuer im Frühjahr Euer neues Album „26486“ veröffentlicht. Danke, dass Ihr Euch die Zeit nehmt mit uns darüber zu plaudern.“

x-act: „Laut Definition ist ein oxymoron eine rhetorische Figur bei der zwei sich widersprechende oder gegensätzliche Begriffe direkt miteinander verknüpft werden. Ist das auch bei Eurer Musik der Fall oder warum habt Ihr diesen Bandnamen gewählt?“

Christoph: „Das ist eine gute Frage. Das ist aber nicht der Fall, in unserer Musik widersprechen wir uns nicht. Wir machen zum Großteil Konzeptmusik, das heißt Alben mit einem Zusammenhang und oft auch mit einem politischen und sozialkritischen Hintergrund. So auch beim letzten Album „26486“. Vordergründig ist es bei diesem Album um Tschernobyl gegangen, hintergründig handeln die Songs vom Versagen des Menschen in diesem Zusammenhang – durch Gier, durch Macht.“

x-act: „Wofür steht die Zahl?“

Christoph: „Das ist der Tag, an dem der Tschernobyl Unfall war. Ursprünglich wollten wir das Album „Tschernobyl“ nennen, aber das war uns dann doch zu negativ besetzt. Viele verbinden mit Tschernobyl nicht unbedingt etwas positives. Außerdem steht auf dem Album nicht nur der Atomunfall im Vordergrund, sondern um die Menschen, die da dahinter stehen. Die Menschheit hat in ihrer Geschichte immer wieder gewaltige Fortschritte gemacht, aber es gab auch Fortschritte, die zu großen Desastern geworden sind. In diesem Fall verhält es sich genau so. Man hat mit der Atomkraft zwar Energie gewonnen, aber durch Gier, Politik und Vertuschen ist ein Unfall passiert. 

x-act: „Tschernobyl verbindet die elf Songs des neuen Albums sozusagen wie ein roter Faden, ist aber vordergründig eine Metapher für die Themen die dahinter stehen?“

Christopher: „Ja, Metapher ist in diesem Zusammenhang sicher das richtige Wort.“

x-act: „Wie entstehen bei Euch die Songs?“

Christoph: „Meistens erstelle ich die Basiskonzepte, das Arrangement und auch den Text dazu. Aufbauend darauf steuern meine Musikerkollegen ihre Parts dazu. Mario spielt den Bass und den Gesang ein. In diesem Schritt werden eventuell auch Texte angepasst, damit sie besser singbar sind, oder dass sie sich besser in den Song einfügen. Reini, unser Keyboarder ergänzt seinen Part. Meistens mache ich ein Demo, auf dem aufbauend entwickeln wir den Song weiter.“

(OXYMORON, Photo Credit by Alexandra Pruenner, zur Verfügung gestellt von Christoph Wolf)

x-act: „Mit Bianca und Mario habt Ihr zwei Stimmen, die sich toll ergänzen. Wie seid Ihr auf die Idee gekommen, viele Songs für Sängerin und Sänger zu schreiben?“

Christoph: „Das hat sich bei uns schon beim ersten Album ergeben. Ich habe immer gerne eine Frauenstimme den Songs dabei. Und nachdem Mario auch ein super Sänger ist, hat sich das bei den ersten Studiosessions aufgedrängt.“

x-act: „Gerade bei Konzeptalben sind zwei Stimmen sicher ideal, um die unterschiedlichen Themen noch besser zu transportieren.“

Christoph: „Gut, dass Du das sagst. Nachdem wir in unseren Songs Stories erzählen, ist es sicher ein Vorteil, wenn verschiedene Stimmen, die Songs interpretieren. Im Endeffekt sind wir ja sogar zu dritt, weil ich auch bei einigen Parts singe. Bei vielen Songs entscheiden wir dann auch erst beim Aufnahmeprozess, wer die Leadstimme übernehmen soll. Das hängt auch davon ab, ob eine weibliche oder eine männliche Stimme besser zum Song passt.“

x-act: „Hängt diese Entscheidung auch von den Lyrics ab, oder haben diese gar nichts damit zu tun.“

Christoph: „Das spielt sicher auch in die Entscheidung mit hinein.“

x-act: „Bei Monopoly habt ihr einige Musiker, wie Frank Pane oder Robby Musenbichler eingeladen an den Songs mitzuwirken. Gibt es beim aktuellen Album auch Gastmusiker zu hören?“

Christoph: „Nein, auf dem neuen Album sind wieder nur wir zu hören. Das hat sich einfach so ergeben. „Monopoly“ wurde in den Zeiten der Pandemie produziert, es hat keine Konzerte gegeben und viele Musiker sind daheim gesessen und hatten Zeit. Bei den Drums hat sich Berni Welz, der bereits an vielen internationalen Produktionen (z.B. mit Deep Purple, Bruce Dickinson) mitgearbeitet hat, die Songs angehört. Nachdem sie ihm gefallen haben, war er mit von der Partie. Dann ist die Idee entstanden noch ein paar andere Musiker anzufragen. Helmut Bibl kannte ich noch von früher, der hat ein Solo eingespielt. Auch Robby Musenbichler und Frank Pane haben dann ihre Beiträge zu unserem Album beigesteuert. Alle waren aus Spaß an der Sache dabei, was uns natürlich sehr gefreut hat.“

x-act: „Ich habe gelesen, dass „26486“ digital erhältlich ist. Waren CD und Vinyl kein Thema für Euch?“

Christoph: „Thema wäre es schon gewesen, aber es war auch eine Frage der Finanzierbarkeit. Wir haben versucht, für das Album öffentliche Förderungen zu erhalten. Das ist leider daran gescheitert, dass wir mit Prog-Rock eher in einer Nische angesiedelt sind, ein Genre das eher schwierig zu vermarkten ist. Das haben wir leider Gottes so erfahren müssen. Spannenderweise wird unsere Musik außerhalb Österreichs sehr viel gespielt, zum Beispiel in Chile, Argentinien oder auch in Mexiko. Dort wurde auch in Zeitschriften über uns berichtet und wir wurden im Radio gespielt.“

Christoph: „Zum Thema CD und Vinyl kommt noch ein weiterer Punkt. Wo kann ich diese Tonträger verkaufen. Die meisten Bands verkaufen ihre Alben bei den Konzerten. Wir sind aber eher eine Konzeptband. Konzertmäßig hat sich bei uns in letzter Zeit nicht viel getan. Um unsere Songs live aufzuführen bräuchten wir auch entsprechende Locations, weil wir dann mit einem zusätzlichen Gitarristen und eventuell mit Chor unterwegs wären.“

(OXYMORON, Photo Credit by Alexandra Pruenner, zur Verfügung gestellt von Christoph Wolf)

x-act: „Zwischen dem Album „Monopoly“ und „26486“ liegen vier Jahre. Müssen Eure Fans wieder vier Jahre auf ein neues Album warten, oder seid Ihr schon am Schreiben von neuen Songs?“

Christoph: „Dieser zeitliche Abstand erklärt sich einerseits durch die Pandemie, aber auch aus individuellen Terminen. Und dann haben wir beschlossen „26486“ zum vierzigjährigen Jahrestag des Unglücks zu veröffentlichen. Unsere Fans müssen sicher nicht mehr so lange warten, wir sitzen gerade im Studio und arbeiten an neuen Songs.“

x-act: „Wie steht Ihr zum Thema KI beim Songwriting?“

Christoph: „Beim Songwriting verwenden wir keine KI, unsere Songs sind alle handgemacht. Wir verwenden KI zum Teil für unsere Videos, für den Background. Zur Zeit arbeiten wir am neuen Album mit dem Arbeitstitel „Inside the bubble“. Darin geht es um Menschen, die alle innerhalb ihrer eigenen „Blase“ leben – da spielt KI eine große Rolle. Der Song den wir gerade aufnehmen, heißt „Digital Twin“ – diese Songs haben sehr viel mit KI zu tun. Da sind wir aber wieder beim Thema – Du kannst mit KI sehr viel Nutzen stiften, man kann aber auch sehr viel Schlechtes damit anrichten. Es hängt von den Menschen ab, die diese Tools verwenden.“

x-act: „Danke für Eure Zeit und noch viel Erfolg heute im Studio.“

Das Interview führte Michael Stecher / X-Act