Lucy_unleashed bat Lassi Salminen, Mastermind von DISTANT STARES zum Interview:
Steckbrief
- Steckbrief:
- Herkunft: Finnland
- Gegründet: 2022
- Genre: Gothic Rock / Post-Punk / Darkwave / Synth-Pop
- Mastermind: Lassi Salminen
- Debütalbum: „Distant Stares“ (2025)
- Aktuelles Album: „Separated for Life“ (2026)
Motto: „Searching beauty from darkness.“ Distant Stares verbindet Gothic Rock, Post-Punk und Darkwave mit starken, beinahe süßen Melodien – Musik, die sich nicht vor Dunkelheit versteckt, sondern versucht, etwas Schönes daraus entstehen zu lassen.
x-Act: „Bevor wir anfangen, muss ich etwas gestehen: Immer wenn ich dich sehe, ist mein erster Impuls irgendwie, dich zu umarmen. Ich weiß selbst nicht genau, warum. Ist das dieser nordische Vibe – oder bist du einfach genau meine Art von Mensch?“
Lassi: „Vielleicht siehst du einfach die perfekte Gelegenheit, ein bisschen Leben und Sonnenlicht in ein kaltes und melancholisches Herz zu bringen!“
x-Act: „Du beschreibst Distant Stares mit den Worten „searching beauty from darkness“. Wo findest du diese Dunkelheit eigentlich – in der Welt, in anderen Menschen oder vor allem in dir selbst?“
Lassi: „Ich denke, die Dunkelheit kommt größtenteils aus meinem Inneren und spiegelt sich dann darin wider, wie ich die Welt wahrnehme. Es geht darum, ehrlich und realistisch damit umzugehen, dass jeder Mensch eine dunkle Seite hat. Und anstatt sie zu unterdrücken, sollte man lernen, mit ihr umzugehen, sie zu nutzen und sie irgendwann vielleicht sogar in etwas Schönes zu verwandeln. Ich hatte das Glück, in der Musik einen Weg gefunden zu haben, diese Seite von mir zum Ausdruck zu bringen.“
x-Act: „Deine Musik ist dunkel, aber selten hoffnungslos. Glaubst du, dass Schönheit Dunkelheit braucht, um überhaupt sichtbar zu werden?“
Lassi: „Ja, wenn wir über Menschen sprechen, würde ich schon sagen. Wenn man sich jemanden vorstellt, der überhaupt keinen Schatten in sich trägt, dann wäre diese Person wahrscheinlich völlig fremdartig – weder schön noch hässlich, sondern einfach künstlich und vergessenswert. Wenn ein Mensch dagegen in der Lage ist, seinen Schatten mit Anmut und Selbstbewusstsein zu tragen, kann allein seine Präsenz etwas unglaublich Schönes haben.“
x-Act: „Separated for Life ist ein ziemlich brutaler Titel. Welche Art von Trennung steckt dahinter – räumliche Distanz, emotionale Distanz oder jemand, der verschwunden ist und trotzdem irgendwie überall bleibt?“
Lassi: „Ich glaube, Separated for Life, sowohl als Album als auch als Song, zeigt ziemlich treffend, wie ein junger Mensch heutzutage romantische Beziehungen empfinden kann. Da ist diese ständige Angst und Unruhe davor, jemanden für immer zu verlieren. Und genau das führt wiederum dazu, dass man sich davor scheut, sich überhaupt auf eine echte Beziehung einzulassen. Eine imaginäre Beziehung beginnt dann immer attraktiver zu wirken – und natürlich schafft das auf jede erdenkliche Weise Distanz zu echten, lebenden Menschen.“
x-Act: „Finnische Melancholie ist inzwischen fast schon ein kulturelles Klischee. Ist Melancholie etwas, unter dem du leidest – oder etwas, das du kreativ sogar brauchst?“
Lassi: „Ich würde sagen, diese finnische Melancholie ist erschreckenderweise tatsächlich real, auch wenn sie ein Klischee ist. Für mich persönlich war sie eigentlich immer da. Im Laufe der Jahre ist sie allerdings schwächer geworden – inzwischen ist sie einigermaßen erträglich.“
x-Act: „Was ist beim Schreiben eines Songs wichtiger: eine schöne Melodie oder eine Emotion, die wirklich weh tut?“
Lassi: „Die Emotion ist auf jeden Fall wichtiger. Es muss nicht unbedingt eine schmerzhafte Emotion sein – gelegentlich kann sie sogar positiv sein. Aber wenn man wirklich mit einem starken Gefühl in Berührung kommt, findet diese süße Melodie erstaunlich leicht ihren Weg in den Song.“
x-Act: Gibt es einen Song von Distant Stares, der für dich schwieriger zu spielen geworden ist, weil sich seine Bedeutung im Nachhinein verändert hat?
Lassi: „Die Bedeutung meiner Songs hat sich eigentlich nie verändert. Einige berühren mich heute allerdings nicht mehr so stark wie früher – und glücklicherweise gibt es auch Songs, die heute stärker mit mir resonieren als je zuvor.“
x-Act: „Was macht dir als Künstler mehr Angst: missverstanden zu werden – oder vollständig verstanden zu werden?“
Lassi: „Das ist eine interessante Frage. Ich glaube, ich habe überhaupt keine Angst davor, missverstanden zu werden. Im Gegenteil: Ich finde es unglaublich spannend und wertvoll, wenn Menschen das, was ich mache, auf ihre ganz eigene Weise interpretieren.“
x-Act: „Und natürlich meine unvermeidliche letzte Frage: Was könntest du in einem Distant-Stares-Song zugeben, würdest es aber wahrscheinlich niemals laut aussprechen?“
Lassi: „Oh, im Katalog von Distant Stares gibt es jede Menge Momente, in denen ich zugebe, wie viel bestimmte Menschen für meine Existenz bedeuten. Aber nur ein Bruchteil dieser Gefühle wurde von mir jemals tatsächlich der Person gesagt, für die ich sie empfunden habe.“
x-Act: „Und ich muss natürlich mit einem meiner Lieblingsposts von dir abschließen – der Gothic-Duolingo-Version. Sei ehrlich: Wer kam auf diese Idee? Und wie viel Finnisch müsste ich eigentlich können, um einen Abend mit Distant Stares zu überleben?“
Lassi: „Songs aus Duolingo-Übungen zu machen, war eine verrückte Idee, auf die ich vor etwa vier Jahren kam – ungefähr zu der Zeit, als ich auch Distant Stares gegründet habe. Ich lernte damals Russisch, weil es die Muttersprache meiner damaligen Freundin und heutigen Frau ist. Und irgendwie hatte ich plötzlich Lust, etwas Schräges daraus zu machen – obwohl meine Russischkenntnisse bis heute ziemlich dürftig sind. Und hehe – du könntest einen Abend mit Distant Stares problemlos überleben, ohne auch nur ein einziges Wort Finnisch zu können. Aber wenn du Eindruck machen möchtest, wäre „Perkele“ schon ein verdammt gutes Wort zum Lernen!“
Dunkelheit muss offenbar nicht immer besiegt werden. Manchmal braucht sie einfach nur einen Ort, an den sie gehen kann. Bei Distant Stares wird daraus Musik. Und was die Finnisch-Lektion betrifft? Perkele. Lektion bestanden.

Perkele – ein finnischer Kraftausdruck, der ursprünglich einen alten Donnergott bezeichnete und später mit dem Teufel assoziiert wurde. Heute bedeutet er je nach Situation „Verdammt!“, „Scheiße!“ oder „Zum Teufel!“. Das Wort kann Wut, Frustration, Entschlossenheit oder Begeisterung ausdrücken. Aussprache: PÄR-ke-le, mit Betonung auf der ersten Silbe und einem kräftig gerollten R. In der finnischen Metal-Szene ist Perkele beinahe Kult – ein einziges Wort voller Wucht, Trotz und Energie.
Das Interview führte Lucy_unleashed



