Vor wenigen Tagen lud Workstation im pmk Innsbruck zu einem Abend zwischen Ekstase und Abgrund mit Hæresis und Valborg sowie special guest Aurea Arbor ein. Lucy_unleashed war für Euch vor Ort und fing die Atmosphäre des Events ein.

Aurea Arbor war der leise Zauber des Abends. Maria stand allein auf der Bühne, aber klang stellenweise wie ein kleiner verwunschener Wald: Stimme, Looper, angespielte Instrumente, feine Percussion-Spuren – alles live geschichtet, tastend, mutig, eigen. Erst vor rund drei Jahren begann sie zu singen, vor etwa eineinhalb Jahren entstand ihr Solo-Projekt; der Auftritt im pmk war ihr erstes richtiges Live-Statement als Aurea Arbor. Und genau darin lag die Schönheit: nichts glattgebügelt, nichts auf Effekt getrimmt, sondern ein intimer Klangraum aus Neugier, Verletzlichkeit und innerem Leuchten. Wie ein goldener Ast im Halbdunkel – noch wachsend, aber längst nicht mehr zu übersehen.

Valborg setzten an diesem Abend einen eindrucksvollen Gegenpol: dunkel, massiv und zugleich erstaunlich klar konturiert. Ihre Mischung aus Doom, Death und progressiver Schwere wirkte nicht laut um der Lautstärke willen, sondern konzentriert und geschlossen – wie ein dunkler Strom, der den Raum trug. Gemeinsam mit Hæresis entstand so eine starke Dramaturgie: Hæresis mit Eleganz, Zartheit und eruptiver Präsenz – Valborg mit Tiefe, Gewicht und kompromissloser Souveränität.

Hæresis ließen anschließend ihr neues Album „Si Vis Pacem Para Bellum“ auf die Bühne sinken – vier Songs, über 40 Minuten Intensität, kein Atemholen, kein Schmuckwerk, kein Entkommen. Zwischen Nebel, Lichtkegeln und erhobenen Händen entstand kein bloßes Konzert, sondern ein dunkler Spannungsraum aus Wucht, Schönheit und kontrolliertem Zerfall.

Im Zentrum: Christin. Eine Sängerin mit jener seltenen Präsenz, die nicht laut um Aufmerksamkeit bittet, sondern den Raum still an sich bindet. Elegant, fast zart in ihrer Erscheinung, zugleich getragen von einer inneren Stärke, die jeden Ton erdet. Ihre Stimme bewegte sich zwischen Verletzlichkeit und Macht, zwischen Anmut und Abgrund – als würde etwas Zerbrechliches gerade dadurch unzerstörbar werden.
Musikalisch setzten Hæresis nicht auf Effekt, sondern auf Verdichtung. Massive Riffs, drängende Drums und diese melancholischen Passagen, die kurz Licht hereinlassen, nur um es im nächsten Moment wieder zu verschlingen. Live offenbarte sich die ganze Spannung des Album: Aggression ohne Grobheit, Schwere ohne Stillstand, Schönheit ohne Trost.

Ein Abend zwischen Ekstase und Abgrund – roh, dicht, kathartisch. Hæresis präsentierten im pmk nicht einfach neue Songs. Sie öffneten einen Raum, in dem Dunkelheit nicht leer war, sondern vibrierte.
- Hæresis – Kurzprofil
- Gegründet: 2016
- Aktueller Standort: Berlin
- Ursprung: Aue, Sachsen
- Genre: Black Metal / Atmospheric Black Metal
- Aktuelles Album: Si Vis Pacem Para Bellum veröffentlicht am 10.10.2025 via Vendetta Records
- Live im pmk: 01. Mai 2026
- Set: Vier Songs, über 40 Minuten Spielzeit
- Sound: dunkel, massiv, melodisch, atmosphärisch, verdichtet
- Charakter: zwischen roher Wucht, melancholischer Eleganz und ritueller Intensität
- Besonderheit live: Sängerin Christin als starke, zugleich zarte Präsenz im Zentrum – kontrolliert, elegant, eindringlich
- Für Fans von: dunkler Atmosphäre, langen Spannungsbögen, kathartischer Live-Energie und Black Metal mit emotionaler Tiefe
- Lucy-Fazit: Hæresis klingen nicht nach bloßer Dunkelheit, sie klingen nach etwas, das im Schatten atmet.



Weitere Infos: https://haeresis.de
Text und Fotos by Lucy_unleashed



