Geierwallybühne 2026 – „Schwabenkinder“ – ein Gespräch mit Christoph Kammerlander

(Schwabenkinder, Photo: Geierwally Bühne)

2026 präsentiert die Geierwally Freilichtbühne „Schwabenkinder“ von Claudia Lang-Forcher. Vor 30 Jahren uraufgeführt, erzählt das Stück die Geschichte einer Lechtaler Familie, die für viele notleidende Familien in ganz Tirol um 1900 steht. Das Lechtal, das seine Bewohner nicht ernähren kann, zwingt die verzweifelten Eltern dazu, ihre Kinder Jahr für Jahr zur Kinderarbeit in die Fremde zu schicken. Die Geschichte erzählt den Gewissenskonflikt einer Mutter, welche ein Adoptionsansuchen für ihr Kind aus dem Schwabenland erhält. Sie muss sich entscheiden, ihr Kind freizugeben und ihm damit Wohlstand und eine gute Schulbildung zukommen zu lassen, oder es zurück in die Armut zu holen. Wir haben im Vorfeld der Aufführungen ein Gespräch mit Christoph Kammerlander geführt.

(Schwabenkinder, Photo: Geierwally Bühne)

X-Act: „Hallo Christoph, danke, dass Du Dir für uns Zeit nimmst und einige Fragen von uns beantwortest. Wer entscheidet, welches Stück im Sommer auf der Geierwally Freilichtbühne aufgeführt wird?“

Christoph: Der künstlerische Leiter Bernhard Wolf und ich machen uns gemeinsam Gedanken darüber, welches Stück passend wäre. Wir präsentieren es dann dem Vorstand und der lässt uns meistens freie Hand. Wir können zwar durchwegs auf erfolgreiche Jahre zurück blicken, dennoch ist es jedes Jahr eine Herausforderung. Wir wollen ein abwechslungsreiches, anspruchsvolles Programm bieten, das zu unserem Publikum passt. Keine einfache Aufgabe.“

X-Act: „Kannst Du unseren Leserinnen und Lesern kurz die Geschichte und die Hintergründe zum Stück „Schwabenkinder“ erläutern?“

Christoph: „Das Stück erzählt die Geschichte einer Lechtaler Familie, die für viele notleidende Familien in ganz Tirol um 1900 steht. Das Lechtal, das seine Bewohner nicht ernähren kann, zwingt die verzweifelten Eltern dazu, ihre Kinder Jahr für Jahr zur Kinderarbeit in die Fremde zu schicken. Die Geschichte erzählt den Gewissenskonflikt einer Mutter, welche ein Adoptionsansuchen für ihr Kind aus dem Schwabenland erhält. Sie muss sich entscheiden, ihr Kind entweder freizugeben und ihm damit Wohlstand und eine gute Schulbildung zukommen zu lassen, oder es zurück in die Armut zu holen.“

X-Act: „Das Stück wurde ja bereits vor 30 Jahren uraufgeführt. Habt ihr die Inszenierung geändert, modernisiert – oder seid ihr nah am Original geblieben?“

Christoph: „Wir spielen die Originalfassung von Claudia Lang-Forcher. Heuer führt Roland Silbernagl Regie. Die Inszenierungen verändern sich immer mit den Regisseurinnen und Regisseuren. Das ist auch gut so, denn die Sehgewohnheiten der Zuschauer ändern sich über die Jahre stark und brauchen die eine oder andere Überarbeitung.“

(Schwabenkinder, Photo: Geierwally Bühne Aufführung 2017)

X-Act: „Wie findet man die geeigneten Schauspielerinnen und Schauspieler für das Stück? Oder werden manche Rollen an die Akteure angepasst?“

Christoph: „Die Geierwally Bühne hat ein sehr starkes Stamm-Ensemble, das schon viele Jahre mitspielt. Für die Kinder wurde heuer ein Casting veranstaltet, aber alle 22 Kinder, die zum Casting gekommen sind, wurden auch besetzt. Sie waren alle großartig und deshalb sind heuer die Kinderrollen doppelt besetzt.“

X-Act: „Wie lange vor der Premiere beginnt Ihr mit den Proben?“

Christoph: „Die Proben starten immer Mitte April. Bis zur Premiere Anfang Juli kommen wir dann auf 35 – 40 Proben.“

X-Act: „Das heißt das Ensemble ist über Monate hinaus ziemlich engagiert – geht sich das bei Laienschauspielern überhaupt noch aus“

Christoph: „Uns ist es sehr wichtig, dass wir eine gute Zeit auf der Geierwally Bühne haben. Die Spieler kommen oft direkt von der Arbeit zur Probe. Wir sind selbst immer wieder beeindruckt, mit welchem Einsatz und Enthusiasmus das ganze Team agiert. Auf der Bühne, wie auch hinter der Bühne und rundherum arbeiten ca. 40 ehrenamtliche Vereinsmitglieder, damit so eine Vorstellung über die Bühne gehen kann.“

X-Act: „Bist Du heuer wieder für die Musik zuständig?“

Christoph: „Ja, ich darf das mittlerweile seit fast zwanzig Jahren machen. Lange habe ich das mit meinem, im letzten Jahr verstorbenen Freund und der zweiten Hälfte unserer Band 2er Beziehung, Ander Kapeller gemacht. In diesen Zeitraum fiel bereits eine Aufführung der Schwabenkinder 2017. Allerdings sind wir immer sehr bemüht die komplette Inszenierung neu zu machen und so darf ich heuer das zweite Mal das gleiche Stück musikalisch untermalen. Dies ist sehr interessant, da ein neuer Regisseur ja auch neue Vorstellungen und Empfindungen zum gleichen Text hat und es ist spannend zu sehen, wie der gleiche Stoff doch ganz anders anmuten kann.“

X-Act: „Wie zufrieden seid Ihr mit dem Interesse des Publikums am neuen Stück“

Christoph: „Die „Schwabenkinder“ gehören immer zu unseren bestverkauften Aufführungen. Einerseits liegt das am Allgäu-Bayern-Bezug (über 70 % deutsches Publikum), andererseits am Thema allgemein. Das Stück berührt jeden. Wir haben dieses Jahr schon über die Hälfte der Karten verkauft und das freut uns natürlich sehr, erhöht aber auch den Druck.“

X-Act: „In der Wunderkammer in Elbigenalp gibt es zum Stück eine eigene Sonderausstellung – „D`Lechtler Schwabenkinder einst – Straßenkinder heute“. Kannst Du uns kurz darüber etwas sagen?“

Christoph: „Das Phänomen Kinderarbeit, was ja ein maßgeblicher Grund dafür war, dass unsere Kinder damals ins Ausland mussten, ist in anderen Teilen der Welt noch allgegenwärtig. In der Ausstellung stellen wir, zusammen mit dem Verein „Jugend eine Welt“, der sich der Hilfe von Straßenkindern in der ganzen Welt verschrieben hat, diese Parallelen her. Der Museumsverein Wunderkammer hat sich schon lange der Aufarbeitung dieser Zeit verschrieben und führt neben vielen anderen auch eine Kartei aller bekannten Lechtaler Schwabenkinder. In Kombination mit einer Eintrittskarte der Geierwally Freilichtbühne ist diese Ausstellung kostenlos besuchbar und eine absolute Empfehlung, wenn man schon vor dem Stück ein wenig in dieses finstere Kapitel eintauchen will.“

X-Act: „Danke, dass Du Dir die Zeit zum Beantworten unserer Fragen genommen hast, wir wünschen Euch viel Erfolg für die Aufführungen im Sommer.“

(Schwabenkinder – Flyer)

Das Gespräch mit Christoph Kammerlander führte Michael Stecher