Und noch ein letztes Konzert am Tollwood: Emeli Sandé und Joss Stone. Zwei Weltklasse Soul Stimmen im großen Tollwood Zelt. Ich bin pünktlich um 17:00 vor dem Eingang, denn um 17:30 ist Einlass und da das Konzert heute umbestuhlt ist, ist es wichtig gute Plätze möglichst weit vorne zu finden.
Um 18:30 startet die schottische Soul und R&B Sängerin Emeli Sandé mit dem Konzertreigen. 2010 hatte sie ihr Medizinstudium abgebrochen, nachdem sie einen Major Deal bei Virgin Records unterschrieben hatte. Nach weiteren sechzehn Jahren hat sie fünf Alben veröffentlicht, einen großen Auftritt bei der Eröffnung der olympischen Sommerspiele in L.A. und einige weltweite Hits gelandet. Der ganz große Durchbruch ist dieser Megastimme aber bis heute nicht gelungen. Hier und heute präsentiert sie eine Best Of der eigenen Songs. Sie hat eine sehr soulige Stimme, die heute aber zu hart und laut gemischt wurde, sodass das Feeling in der Stimme sehr oft zerstört wurde. Die Begleitband und die beiden Backgroundsängerinnen sorgten für eine gute Soul-Fülle, aber die großen Gefühle der Soulstimme gingen meistens in der Härte des Vocalsounds unter. Schade, den diese Dame hat eine Mega-Stimme. Nach ca fünfundsiebzig Minuten war ihr Auftritt vorbei und ich hoffe, dass Emeli Sandé und bald wieder einmal beehrt – und zwar in einer Location, die besser zu diesem Sound passt und einer besseren soundtechnischen Aufbereitung.

Nach einer dreißigminütigen Pause beginnt der Gig von Joss Stone mit einem bombastischen Intro der Begleitband, bestehend aus Gitarre, Bass, Keyboards, Drums, drei Backgroundsänger/innen und zwei Bläsern. Dann erschien wie ein schwebender Engel, immer barfuß auf der Bühne, die britische Soulgröße Joss Stone. Seit ihrer frühesten Kindheit singt dieses Talent und wurde schon sehr früh als Soulsängerin erfolgreich. Ihre Vorbilder sind unverkennbar Aretha Franklin und andere große Soul-Legenden. Joss Stone war auch schon als Model für die amerikanische Marke The Gap erfolgreich und auch in Nebenrollen als Schauspielerin zu sehen. Heute widmet sie sich neben der Musik Karriere in erster Linie ihrer Familie. Seit 2023 ist sie mit Cody da Luz verheiratet, wohnt mit ihm und ihren vier Kindern in Nashville.
Die musikalische Präsenz ist seit über zwanzig Jahren weltweit Realität – von ihrem ersten Album „Soul Sessions“ (2003) bis zum aktuellen Album „Never Forget my love“ ist Joss Stone ihren Wurzeln Soul, Jazz und R&B treu geblieben. Sehr viele Soul Coverversionen von den unterschiedlichsten Soulgrößen finden sich auf ihren acht Alben. Ebenso tritt sie mit vielen internationalen Musikgrößen auf und begeistert die Massen nicht nur mit ihrer Mega-Stimme, sondern auch mit ihrer außergewöhnlichen Ausstrahlung. Man fühlt mit ihr, wenn sie über die großen Emotionen des Lebens singt. Sie sucht den Kontakt zum Publikum, erzählt zwischendurch diverse Anekdoten aus ihrem Leben und holt das Publikum total ab. Heute ist der Gig ebenfalls eine neunzigminütige Best Of Präsentation ihres zwanzigjährigen Schaffens. Sie zaubert die unmöglichsten Töne aus ihrem Kehlkopf und lässt auch Begleitmusiker immer wieder ihr Können präsentieren. Neunzig Minuten, die viel zu schnell vergehen, denn so eine gewaltige Stimme bekommt man hierzulande nur selten zu hören. Joss Stone ist und bleibt eine Soulgröße, auch wenn die Auftritte in Zukunft familienbedingt wohl etwas seltener werden.
Text und Fotos: Gonzo Gonzito Gonzales



