Blasphemic Rites Open Air 2026 – Lucy_unleashed war für Euch dabei

(Blasphemic Rites, Kvaen, Photo Credit: Lucy_unleashed / X-Act)

Blasphemic Rites Open Air 2026 – Wenn der Underground nicht fragt, ob er darf. 28. und 29. August 2026, Obergottesfeld in Kärnten. Zwei Tage Blasphemic Rites Open Air, elf Bands, jede Menge Black, Death und Thrash Metal – und irgendwo zwischen Feuer, Blastbeats und „Hell is empty and all the devils are here“ stellte sich wieder einmal heraus: Die angeblichen Teufel sind erschreckend nett.

Großartige Organisation, Sound, Licht, Essen, Drinks, Merch, 1 Dusche am Campingplatz – reicht völlig aus – ressourcen-technisch ToP , Lagerfeuer – und ja, sogar die mobilen Toiletten mit Joysticks verdienen eine Erwähnung. Und nachdem wir zwei Tage lang erfolgreich den Untergang beschworen hatten, war danach natürlich #greenblasphemicrites angesagt. Denn echte Metalheads hinterlassen höchstens Erinnerungen, ein leichtes Klingeln in den Ohren – und möglichst keinen Müll. Hell may be empty. Apparently all the devils were in Obergottesfeld. And they were ridiculously kind. Manche Festivals brauchen ein paar Jahre, bis sie wissen, was sie sein wollen. Andere wirken schon bei ihrer ersten Ausgabe erstaunlich geschlossen. Das Blasphemic Rites Open Air gehörte eindeutig zur zweiten Sorte.

(Blasphemic Rites, Irdorath, Photo Credit: Lucy_unleashed / X-Act)

Schon mit Irdorath als Opener war klar, dass hier niemand lange Anlauf nehmen würde. Die Band legte vom ersten Moment an derart stark vor, dass aus einem vorsichtigen „Schauen wir mal, wie das erste Jahr läuft“ ziemlich schnell etwas anderes wurde: Aufmerksamkeit, Energie und dieses schwer planbare Gefühl, dass Publikum, Bands und Atmosphäre plötzlich ineinandergreifen. Für ein Debüt war das bemerkenswert souverän. Und das sollte sich durch das gesamte Wochenende ziehen. Das Line-up wirkte nicht wie eine zufällige Ansammlung möglichst vieler Namen, sondern wie eine bewusst zusammengestellte Auswahl aus dem Underground – roh, eigenständig und ohne den Anspruch, irgendetwas glattzubügeln. Gerade das machte den Reiz aus. Keine Hochglanzkulisse, keine Distanz zwischen Bühne und Publikum, sondern Nähe, Dreck, Schweiß und Musik, die genau in diesem Rahmen funktionieren durfte.

(Blasphemic Rites, Yoth Iria, Photo Credit: Lucy_unleashed / X-Act)

Persönlich blieben vor allem Yoth Iria und Kvaen hängen. Yoth Iria mit ihrer düsteren, beinahe zeremoniellen Wucht – und Kvaen schlicht herausragend. Einer dieser Auftritte, bei denen man nicht lange überlegen muss, ob etwas gut war. Es trifft einen sofort. Präsenz, Druck, Präzision und eine Energie, die weit über einen bloß soliden Festivalgig hinausging. Für mich ganz klar der Höhepunkt des Wochenendes. Was dabei fast noch wichtiger ist: Auch abseits dieser persönlichen Favoriten gab es kaum Leerlauf. Das Niveau des Line-ups war insgesamt erstaunlich hoch. Gerade für eine erste Ausgabe spricht das für ein gutes Gespür bei der Auswahl – und wahrscheinlich auch dafür, dass hier tatsächlich Leute am Werk waren, die diese Szene nicht nur veranstalten wollen, sondern selbst aus ihr kommen.

Am Ende standen rund 200 Besucher vor der Bühne, mit Bands und Crew fast 300 Menschen auf dem Gelände. Für eine Premiere mehr, als die Veranstalter selbst erwartet hatten. Und vielleicht war genau das der entscheidende Punkt: Das Blasphemic Rites Open Air wirkte nicht wie ein Versuch, etwas künstlich Großes zu erschaffen. Es wirkte wie ein Festival, das aus der Szene heraus entstanden ist und deshalb von Anfang an wusste, wem es gehören soll. Wie viel Arbeit hinter so einem ersten Wochenende steckt, warum ungefähr 30 Helfer notwendig waren, wie spontan der Ausfall von Malphas aufgefangen wurde und ob es bereits ein Blasphemic Rites II geben wird, erzählt Patrick Mallner im Interview.

(Lucy_unleashed mit Jacob Björnfot von Kvaen, Photo Credit: Lucy_unleashed / X-Act)

x-Act: Wie fühlt es sich jetzt an, nachdem das allererste Blasphemic Rites Open Air vorbei ist – Erleichterung, Erschöpfung, Stolz oder schon wieder Gedanken an die nächste Ausgabe?

Patrick Mallner: Von allem ein bisschen würde ich sagen, aber der Stolz, das Ganze erfolgreich über die Bühne bekommen zu haben, überwiegt eindeutig.

x-Act: Wie ist die Idee für Blasphemic Rites ursprünglich entstanden? Gab es einen bestimmten Moment, in dem klar war: „Wir wollen unser eigenes Festival machen“?

Patrick: Thomas Leitner und ich haben schon länger mit dem Gedanken gespielt, aber ohne wirklich eine konkrete Idee zu haben. Unabhängig davon hat Heimo Zlöbl ebenfalls mit der Idee gespielt, nachdem er in der Vergangenheit ja schon Festivals veranstaltet hat. Irgendwann haben wir dann zufällig darüber geredet und relativ schnell Nägel mit Köpfen gemacht. Dann kam noch mein Bandkollege Manuel Krassnitzer dazu, anschließend folgte die Vereinsgründung – und wir haben losgelegt.

x-Act: Wann habt ihr mit den konkreten Vorbereitungen begonnen – und wie viel Arbeit steckt rückblickend tatsächlich in so einem Wochenende?

Patrick: Das ist jetzt ziemlich genau ein Jahr her. Es war auf jeden Fall viel Arbeit. Ob wir das realistisch eingeschätzt haben oder nicht, kann ich nicht mehr sagen. Uns wurde in dem Jahr auf jeden Fall nicht langweilig, es gab so ziemlich jeden Tag etwas zu tun.

(Blasphemic Rites, das Festivalgelände, Photo Credit: Lucy_unleashed)

x-Act: Wie viele Helferinnen und Helfer waren insgesamt im Einsatz, um das Festival möglich zu machen?

Patrick: Alles in allem waren ungefähr 30 Leute beteiligt – und weniger hätten es auch nicht sein dürfen. Wenn man alle Stationen eines Festivals gut bedienen will, ist einiges an Arbeitsaufwand vonnöten.

x-Act: Gerade für eine erste Ausgabe war das Line-up sehr international. Was war euch bei der Auswahl der Bands am wichtigsten – Sound, Haltung, Underground-Spirit oder einfach Bands, die ihr selbst liebt?

Patrick: Die Bandauswahl wurde von uns vieren getroffen. Kriterium Nummer eins war natürlich, dass die Bands uns musikalisch zusagen und auch eine gute Live-Performance liefern können. Und natürlich sollten es Bands sein, die eher dem Underground zuzuordnen sind. Dass diese Auswahl funktioniert hat, zeigte sich bereits sehr früh. Irdorath eröffneten das Festival und legten dabei so kompromisslos vor, dass von typischer „Opener-Zurückhaltung“ keine Spur war. Schon hier war zu spüren, dass das Publikum nicht erst überzeugt werden musste. Und dieses Niveau blieb. Yoth Iria gehörten für mich zu den intensivsten Momenten des Wochenendes – düster, dicht und atmosphärisch. Der persönliche Höhepunkt kam für mich allerdings mit Kvaen. In einem ohnehin starken Line-up ragten sie noch einmal heraus: präzise, wuchtig und mit einer Präsenz, die vom ersten Moment an funktionierte.

(Blasphemic Rites, Irdorath, Photo Credit: Lucy_unleashed / X-Act)

x-Act: Malphas mussten kurzfristig ausfallen – wie habt ihr es geschafft, so schnell Ersatz zu organisieren? Hattet ihr bereits einen Plan B in der Hinterhand oder war das komplette Improvisation?

Patrick: Das war natürlich sehr schade, aber gegen technische Gebrechen (eine Autopanne auf dem Weg zum Festival) kann man leider nichts machen. Wir haben erst versucht, das Line-up etwas umzustrukturieren. Als das aber nicht ging, kam uns sofort die Idee, Unviâr zu fragen, da zwei Bandmitglieder auch bei Blutsauger gespielt haben und die anderen beiden im Publikum waren. Dass sie gleich dazu bereit waren, war natürlich ein Glücksfall. Danke an dieser Stelle auch an Irdorath, die ihre Instrumente zur Verfügung gestellt haben. Gerade solche Momente zeigen, was „Underground“ jenseits von Genrebezeichnungen tatsächlich bedeuten kann: Bands springen füreinander ein, Equipment wird geteilt und aus einem kurzfristigen Problem entsteht innerhalb kürzester Zeit eine Lösung.

x-Act: Wie viele Besucher waren letztlich vor Ort? Hat die Resonanz euren Erwartungen entsprochen?

Patrick: Es waren um die 200 Zuschauer, mit den Bands und der Crew also fast 300 Leute am Gelände. Wir haben ehrlich gesagt mit weniger gerechnet und waren daher sehr positiv überrascht.

x-Act: Gab es während des Wochenendes diesen einen Moment, in dem ihr euch angeschaut und gedacht habt: „Fuck, das funktioniert wirklich.“

(Blasphemic Rites, Schänder, Photo Credit: Lucy_unleashed / X-Act)

Patrick: Für mich war es am Freitag schon so, als die erste Band, Irdorath, aufgetreten ist. Da war schon zu sehen und zu spüren, dass das Publikum voll dabei ist. Und genau dieser Moment war auch vor der Bühne so. Irdorath hatten nicht einfach nur eröffnet – sie hatten Messlatte gesetzt.

x-Act: Was hat euch bei dieser ersten Ausgabe selbst am meisten überrascht – positiv oder vielleicht auch negativ?

Patrick: Mich hat überrascht, dass bis auf ein oder zwei Kleinigkeiten eigentlich alles sehr glatt über die Bühne gegangen ist. Klar, es gibt einige Dinge, die wir verbessern wollen und werden, aber für einen ersten Versuch haben wir uns, denke ich, ganz gut geschlagen.

(Blasphemic Rites, Blightbringer, Photo Credit: Lucy_unleashed / X-Act)

x-Act: Das Festival wirkte bewusst weit weg von einem glattpolierten Mainstream-Event. Wie wichtig war euch diese rohe, intime Underground-Atmosphäre?

Patrick: Sehr wichtig. Es soll ein Festival von Fans für Fans sein, und da wir alle aus dem Underground kommen und auch den Spirit haben, kam das für uns absolut natürlich. Vielleicht ist genau das die größte Stärke des Blasphemic Rites Open Air: Es versucht nicht, etwas zu sein, das es nicht ist. Keine künstliche Größe, keine unnötige Distanz zwischen Bands und Publikum. Stattdessen Nähe, Leidenschaft und ein Festival, das erkennbar aus genau der Szene heraus entstanden ist, für die es gemacht wurde.

x-Act: Hat sich die erste Ausgabe für euch insgesamt gelohnt – nicht nur persönlich und organisatorisch, sondern auch finanziell?

Patrick: Es ist insgesamt ein rundes Ergebnis, auf dem wir aufbauen können.

x-Act: War es euer Ziel, bei der ersten Ausgabe bereits kostendeckend zu arbeiten, oder stand zunächst im Vordergrund, überhaupt etwas Eigenes aufzubauen?

Patrick: Kostendeckend zu arbeiten ist natürlich immer ein Ziel, aber wir vier gehen auch gerne ein überschaubares finanzielles Risiko ein, um uns diesen Traum zu verwirklichen.

x-Act: Gab es während der Vorbereitung irgendwann einen Punkt, an dem ihr euch gefragt habt: „Warum zur Hölle tun wir uns das eigentlich an?“ Patrick: Bei mir zum Glück nicht.

x-Act: Was habt ihr aus diesem ersten Wochenende gemacht, das ihr bei einer nächsten Ausgabe anders machen würdet?

Patrick: Wir brauchen auf jeden Fall mehr mobile Toiletten. 😀 Ansonsten einige Kleinigkeiten im organisatorischen Rahmen, aber nichts Wildes. Internationale Bands, ein Jahr Vorbereitung, rund 30 Helfer – und eine der wichtigsten Erkenntnisse nach dem ersten Festival lautet: mehr Toiletten. Auch das gehört wohl zur Festivalrealität.

(Blasphemic Rites, Disharmonic Orchestra, Photo Credit: Lucy_unleashed / X-Act)

x-Act: Wenn Blasphemic Rites eher als Ritual als nur als Festival gedacht war – würdet ihr nach dieser ersten Ausgabe sagen, dass das Ritual gelungen ist?

Patrick: Als Ritual würde ich es nicht bezeichnen, dieser Begriff wurde in den letzten Jahren im Black Metal sehr überstrapaziert. Aber das Festival ist auf jeden Fall gelungen.

Und irgendwie passt genau diese Antwort perfekt zum gesamten Wochenende. Keine künstliche Mystifizierung, kein Pathos um des Pathos willen. Einfach Underground.

x-Act: Und natürlich die unvermeidliche Frage: Wird es ein Blasphemic Rites II geben? Wenn ja, wann – und gibt es schon Bands dafür?

Patrick: Ja und ja, seid gespannt!

(Blasphemic Rites, Misanthropic Might, Photo Credit: Lucy_unleashed / X-Act)

Fazit

Nach dieser ersten Ausgabe darf man dieses „Seid gespannt“ durchaus als kleine Kampfansage verstehen. Das Blasphemic Rites Open Air hat bei seiner Premiere vor allem eines geschafft: Es hatte bereits eine eigene Identität. Rund 200 Besucher, ein starkes internationales Line-up, eine familiäre Atmosphäre und ein Wochenende, das organisatorisch erstaunlich rund lief.

Irdorath legten als Opener derart vor, dass bereits in den ersten Minuten klar war, wohin die Reise gehen würde. Yoth Iria gehörten zu meinen persönlichen Highlights, Kvaen setzten für mich schließlich noch einmal einen drauf. Herausragend trifft es hier ziemlich gut. Trotzdem wäre es falsch, das Wochenende nur auf einzelne Bands zu reduzieren. Denn genau das war vielleicht das Beeindruckendste: Sie waren einfach alle stark. Keine müden Lücken im Line-up, kein Warten auf „die eine große Band“, sondern ein Festival, das über zwei Tage hinweg getragen hat.

Nicht glattpoliert. Nicht überdimensioniert. Nicht künstlich inszeniert. Sondern ein Festival von Leuten aus dem Underground für Leute aus dem Underground Und wenn Ausgabe Nummer zwei bereits in Planung ist und offenbar sogar die ersten Bands feststehen, bleibt eigentlich nur noch: See you at Blasphemic Rites II.

(Blasphemic Rites, Lucy_unleashed / X-Act)

Interview, Text und Fotos – Lucy_unleashed