Lucy_unleashed war bei IMMINENCE im Conrad Sohm in Dornbirn

(Imminence - Conrad Sohm, Photo by Lucy_unleashed / X-Act)

Manche Konzerte sind großartig wegen der Musik. Andere bleiben, weil für einen kurzen Moment einfach alles zusammenpasst – die Musik, der Ort, die Atmosphäre und das, was man selbst in diesem Moment in sich trägt. IMMINENCE im Conrad Sohm war für mich genau so ein Abend. Und das Conrad Sohm ist weit mehr als einfach nur eine Konzertlocation.

(Conrad Sohm – Photo by Lucy_unleashed / X-Act)

Versteckt oberhalb von Dornbirn, umgeben von Wäldern, Natur, der Dornbirner Ach – und vielleicht sogar den Seelen, die dort leben 😉 – fühlt sich dieser Ort schon bei der Ankunft ein wenig wie eine eigene Welt an. Man lässt die Stadt hinter sich, fährt hinein zwischen die Bäume und plötzlich steht dort dieses historische Gebäude mitten im Grünen. Das Conrad Sohm trägt dabei mehr als ein Jahrhundert Geschichte in seinen Mauern. Teile des Gebäudes stammen aus den Jahren 1870 bis 1874 und gehörten ursprünglich zur Fabrik Josef Andre Winter. Mehr als hundert Jahre später wurde die erhaltene Industriearchitektur 1992/93 zum Conrad Sohm umgestaltet – und damit zu einer der außergewöhnlichsten Konzertlocation Vorarlbergs. Und diese Geschichte kann man spüren. Die alten Mauern, die industrielle Architektur und die Dunkelheit im Inneren stehen in einem faszinierenden Kontrast zu den Wäldern und der Natur draußen. Der Ort wirkt roh und intim und gleichzeitig beinahe mystisch.

(Imminence – Conrad Sohm, Photo by Lucy_unleashed / X-Act)

Für IMMINENCE hätte es kaum eine passendere Bühne geben können. Dann auch ihre Musik lebt von den Gegensätzen: Schönheit und Brutalität, Zerbrechlichkeit und Gewalt, Stille und überwältigende Schwere. Und irgendwie spiegelt das Conrad Sohm genau das wider. Alter Stein und lebendiger Wald. Geschichte und Gegenwart. Dunkelheit innen, Natur draußen. Zerbrechlichkeit und Kraft. Es wirkte beinahe, als hätte dieser Ort auf IMMINENCE gewartet – mit all seiner Schönheit, seiner Dunkelheit und seiner Geschichte.

(Imminence – Conrad Sohm, Photo by Lucy_unleashed / X-Act)

Eddie Bergs Violine schneidet dabei wie eine zweite Stimme durch die Härte der Musik. Mal zart, fast schmerzhaft schön, wenige Sekunden später trifft sie auf massive Gitarren, donnernde Drums, Synthesizerflächen und Screams. Live wird dieser Gegensatz geradezu überwältigend. Dieses Konzert habe ich nicht einfach nur gesehen. Ich habe es gefühlt. Es gab Momente, in denen alles irgendwo zwischen Gewalt und völliger Stille zu schweben schien – die Violine, das Licht, die Drums, die Synthesizer, dies alten Mauern und direkt dahinter der Wald. Die zusätzlichen Keyboard- und Synthesizerflächen gaben den Songs noch mehr Raum, während der Backgroundgesang insbesondere den emotionalen Passagen zusätzliche Tiefe verlieh. IMMINENCE erzeugen nicht einfach nur Härte. Sie erzeugen Spannung, Verletzlichkeit, Schönheit und Schmerz – und lassen all das aufeinanderprallen. Und irgendwann schienen Musik und Ort keine zwei getrennten Dinge mehr zu sein. Sie wurden eins.

IMMINENCE haben im Laufe der Jahre einen Sound entwickelt, den man kaum mit einer anderen Band verwechseln kann: massive Gitarren und Breakdowns treffen auf orchestrale Arrangements, elektronische Klangflächen, Melancholie und Eddie Bergs eindringliche Violine. Live kommt mit Fredrik Berlins Keyboards, Synthesizern und Backgroundgesang eine zusätzliche Ebene hinzu. Sie verleiht den Songs noch mehr Tiefe und lässt den ohnehin schon atmosphärischen Sound größer, dunkler und beinahe filmisch wirken.

(Imminence – Conrad Sohm, Photo by Robert Wibmer)

Die Musik von IMMINENCE lebt von Gegensätzen: Verletzlichkeit gegen Brutalität. Schönheit gegen Dunkelheit. Und genau diese Kontraste machen IMMINENCE so besonders. IMMINENCE lassen Härte nicht einfach nur schön klingen. Sie lassen sie fühlen.

  • Steckbrief:
  • Herkunft: Schweden
  • Gegründet: 2010
  • Genre: Metalcore / Alternative Metalcore / Atmospheric Metalcore
  • Markenzeichen: emotionale Wucht, cineastische Atmosphäre, orchestrale Elemente und natürlich der unverwechselbare Einsatz der Violine
  • Band / Live-Line-up:
  • Eddie Berg – Gesang & Violine
  • Harald Barrett – Gitarre
  • Alex Arnoldsson – Gitarre
  • Vaaal – Bass
  • Adam Janzi – Schlagzeug
  • Fredrik Berlin – Live-Keyboards / Synthesizer & Backgroundgesang
(Imminence – Conrad Sohm, Photo by Robert Wibmer)

DIE MENSCHEN HINTER DER SHOW: Ein kleinen Fun Fact macht den Abend für mich noch besonderer: Die Crew war unglaublich freundlich. Ich traf Hans Schröder-Salowski, der mit IMMINENCE auf Tour ist und beim Bühnenaufbau gearbeitet hat. Es war beeindruckend, zumindest einen kleinen Einblick hinter die Kulissen zu bekommen und zu sehen, wie viel Arbeit nötig ist, bevor die Band überhaupt den ersten Ton spielt. Aufbauen, tragen, verkabeln, testen, justieren – unzählige Dinge müssen stimmen, damit am Ende genau dieser eine Moment auf der Bühne entstehen kann. Und an diesem Abend stimmte einfach alles: Der Sound. Die Bühne. Das Licht. Die Atmosphäre. An diesem Abend fügte sich einfach alles perfekt zusammen.

UND JA – DAS MERCH. Auch am Merchandise kam ich natürlich nicht vorbei. Es gab wirklich wunderschöne T-Shirts – und so wurden es bei mir direkt zwei. Die Qualität ist hervorragend, das Material fühlt sich richtig gut an und besonders positiv finde ich den nachhaltigen Ansatz. Und ja … Sie gehören jetzt schon zu meinen Lieblingsstücken.

(Imminence – Conrad Sohm, Photo by Robert Wibmer)

EINER DIESER ABENDE – Die Band. Die Musiker. Die Crew. Der Ort. Die Atmosphäre. Alles gehörte zusammen. Ich habe schon viele Konzerte erlebt, aber dieser Abend war ohne Zweifel einer der ergreifendsten für mich überhaupt. Vielleicht lag es an IMMINENCE. Vielleicht am Conrad Sohm. Vielleicht an den Wäldern, der Geschichte, der Architektur, den Menschen und der Musik. Vielleicht war es einfach einer dieser unglaublich seltenen Momente, in denen alles plötzlich eins wird. Wahrscheinlich war es all das zusammen. Es fühlte sich an, als hätte dieser Ort auf IMMINENCE gewartet. Und für diesen einen Abend gehörten sie vollkommen hierher.

WAS KOMMT ALS NÄCHSTES? – Und die Geschichte geht weiter. Später in diesem Jahr ziehen IMMINENCE gemeinsam mit Dying Wish und Gaerea durch Nordamerika – eine Kombination, die Atmosphäre, Emotionalität und kompromisslose Härte auf ziemlich eindrucksvolle Weise zusammenbringt. Danach folgt das nächste Kapitel: Axis Mundi Tour – Europe 2027 mit August Burns Red und House of Protection. Und ein Termin steht bei mir bereits ganz fest im Kalender: 24. Januar 2027 Wien, Gasometer.

Nachdem ich IMMINENCE an einem so intimen, wunderschönen und außergewöhnlichen Ort wie dem Conrad Sohm erleben durfte, bin ich sehr gespannt darauf, wie sich dieselbe emotionale Wucht auf einer deutlich größeren Bühne anfühlen wird. Aber Dornbirn wird etwas behalten, das sich nicht wiederholen lässt. Ein Konzert, das ich nie vergessen werde.

(Imminence – Conrad Sohm, Photo by Lucy_unleashed / X-Act)

Text und Fotos: Lucy_unleashed / Fotos: Robert Wibmer