Der 04. Juli meinte es heiß mit Innsbruck. In der LiveStage/ Resonance Music & Community stand die Luft, doch das Publikum ließ sich davon nicht ausbremsen. Im Gegenteil: Genau diese Mischung aus Sommerhitze, Clubnähe und spürbarer Vorfreude gab dem Abend eine besondere Energie. RNC4Music lud zur Tribute Night – und was auf dem Papier nach einem klassischen Coverabend klang, entwickelte sich schnell zu einer schweißtreibenden, charmant chaotischen und sehr lebendigen Rockshow.
Den Auftakt machten Refpits. Auch wenn ich ihren Auftritt leider verpasst habe, passten sie als Support genau in diesen Abend: eine Band, die den Raum für das öffnete, was danach kommen sollte – Gitarren, Clubgefühl, Tribute-Spirit und diese unkomplizierte Live-Energie, die man nicht künstlich herstellen kann. Manchmal reicht ein Support nicht nur zum Warmwerden, sondern als erstes Zeichen: Heute wird nicht nur konsumiert, heute wird gefeiert.

Danach wurde es mit Tenacious Tribute herrlich absurd. Die Band rund um Mario alias i.am.not.jack.black bestand an diesem Abend aus Christian an der Gitarre, Christoph an der E-Gitarre, Georg am Bass, Walter an der Gitarre und Patrick an den Drums. Wer Tenacious D covert, muss mehr können, als Songs nachzuspielen. Man muss den Wahnsinn verstehen. Man muss Pathos ironisch aufblasen, Blödsinn mit voller Überzeugung durchziehen und Rockmusik so behandeln, als ginge es gleichzeitig um Weltrettung, Freundschaft und völligen Kontrollverlust. Genau das gelang ihnen.

Im Zentrum stand Mario, der unter dem mehr als passenden Namen i.am.not.jack.black auftritt. Der Name ist Programm. Mario kommt dem Original verblüffend nahe – nur als dessen frischere, schlankere und vermutlich etwas weniger chaotische Parallelwelt-Version. Schon optisch war klar: Hier wird nichts steril abgearbeitet. Im flammenden Outfit wurde er sofort zum Mittelpunkt einer Show, die irgendwo zwischen Comedy, Rockoper und liebevoller Übertreibung lag. Akustikgitarre, E-Gitarren, Bass, Drums, Grimassen, Ansagen, Publikumsnähe – alles wirkte bewusst unperfekt im besten Sinn: direkt, nahbar, lebendig und mit diesem leicht überdrehten Tenacious D-Geist, der nur funktioniert, wenn man ihn nicht halbherzig spielt.
Ein eigener Höhepunkt war die Sax-a-Boom-Einlage. Mit dem kleinen Spielzeug-Blasinstrument, dem Bassisten und einer Portion kompletter Selbstironie wurde der Absurditätsspiegel noch einmal herrlich nach oben geschraubt. Genau dort zeigte sich, das Tenacious Tribute nicht nur die Musik, sondern vor allem die Haltung dahinter verstanden haben. Große Gesten, absurder Humor, ehrliche Spielfreude – und das alles mit voller Überzeugung.

Auch „Beelzeboss“ wurde zu einem starken Moment des Sets. Besonders der Wechsel zwischen dem scheinbar „normalen“ Jack-Black-Charakter und der besessenen Version funktionierte erstaunlich gut. Die eigens angefertigte Maske, die laut Mario sogar erst am selben Tag fertiggestellt wurde, gab der Szene zusätzlich diesen besonderen Live-Charakter: nicht einfach Requisite, sondern Herzblut, Aufwand und ein bisschen kontrollierter Wahnsinn. Gerade dadurch bekam der Song eine eigene Dynamik – halb Comedy, halb Rocktheater, und genau so überdreht, wie es sein muss.

Ein weiterer Höhepunkt war eindeutig „Kickapoo“. Die Nummer wurde nicht einfach gespielt, sondern zur kleinen Bühnenszene erweitert. Legendär wurde das Stück vor allem dadurch, dass M.NOX, der Sänger der Guitar Gangsters, kurz als Dio mitwirkte. für einen Moment lösten sich die Grenzen zwischen Bands auf. Aus Tribute wurde Gemeinschaft, aus Show wurde spontane RocknRoll – Chemie. Der Kontrast hätte kaum besser sein können: hier der farbenfrohe Tenacious-Wahnsinn mit Comedy, Grimassen und überzeichnetem Pathos, dort die kantigere, lässige Frontman-Attitüde von M.NOX. Genau diese Szene machte den Abend besonders: nicht glatt inszeniert, sondern echt, clubnah und voller Spielfreude.

Nach diesem humorvollen Ausnahmezustand wechselte der Abend mit den Guitar Gangsters – A Tribute to Volbeat feat. M.NOX spürbar die Temperatur. Plötzlich wurde es dunkler, geradliniger, rockiger. Wo vorher Comedy, Akustikgitarre und absurde Einlagen dominierten, kamen nun Sonnenbrille, Bassdruck, harte Gitarren und diese typische Mischung aus Metal, RocknRoll und leichtem Western-Flair auf die Bühne.
Die Guitar Gangsters wirkten tight und souverän. Ihr Auftritt hatte deutlich mehr Druck nach vorne, mehr Kante, mehr klassische Headliner-Attitüde. Der Sänger stand breitbeinig im Zentrum, cool, präsent, mit genau jener lässigen Härte, die eine Volbeat-Tribute-Band braucht. Besonders stark funktionierte rückblickend der Kontrast zu seinem Gastauftritt bei Tenacious Tribute: Dort war er Teil des Chaos, später führte er seine eigene Band als klarer, fokussierter Mittelpunkt durch den letzten Teil des Abends.

Musikalisch war das ein gelungener Gegenpol. Nach dem bunten Tenacious-D-Theater setzten die Guitar Gangsters auf Groove, Gitarrenbreite und RocknRoll Energie. Die Bühne wirkte plötzlich größer, dunkler, ernster – aber nicht weniger unterhaltsam. Das Publikum blieb trotz Hitze gut drauf, und genau das trug den Abend: kein distanziertes Zuschauen, sondern ein gemeinsames Feiern von Songs, Gesten und Momenten.
Am Ende war diese Tribute Night mehr als ein Nostalgieabend. Sie zeigte, wie gut Tribute funktionieren kann, wenn nicht nur die Noten kopiert werden, sondern Energie, Haltung und Charakter transportiert werden. Refpits öffneten den Abend, Tenacious Tribute lieferten den Wahnsinn, den Humor und die großen, absurden Gesten. Guitar Gangsters brachten den Druck, die Coolness und den RocknRoll Schub zum Abschluss.

Ein heißer Abend, ein gut gelauntes Publikum, Showeinlagen mit Erinnerungswert – und dieser schöne Beweis, dass Tribute nicht bloß Nachspielen bedeutet. Manchmal bedeutet es: gemeinsam schwitzen, lachen, grölen und für ein paar Stunden so tun, als wäre RocknRoll tatsächlich die einzig vernünftige Antwort auf alles.
Text und Fotos: Lucy_unleashed



